heute mal eine angst, an der ich auch heute noch leide, wenn auch nicht mehr so stark wie als kind. damals hatte ich nämlich eine unvorstellbare
angst vor hohen gebäuden. diese ist jedoch nicht zu verwechseln mit
höhenangst.
denn während ich problemlos mit meinem vater einen gewonnen hubschrauberrundflug über unsere heimatstadt antreten konnte, lag ich dagegen schreiend auf dem rücksitz des elterlichen autos, wenn auf reisen am horizont die silhouette eines fernsehturmes oder eines berges zu erkennen war. an einen urlaub in den alpen war mit mir also gar nicht zu denken, stattdessen ging es also an die flache nordseeküste (ostsee war nämlich auch schon kritisch, da man auf dem weg dorthin über die a7 gefährlich nahe an der hamburger koehlbrandbruecke vorbei musste). weitere tortur: kindergartenausflug zum
wilhelmsdenkmal (absoluter horror: ein hohes denkmal +
fernsehturm auf dem berg gegenüber)
so richtig problematisch wurde sie situation dann durch den bau des
kernkraftwerk grohnde wenige kilometer von unserem wohnort entfernt. nein, ich fürchtete mich nicht vor den folgen der radioaktivität - die riesigen kühltürme, aus denen dicker weißer rauch quoll, jagten mir panische angst ein.
erst jetzt fällt mir auf, dass auch an dieser angst meine arme oma wieder beteiligt war: wie der zufall es so wollte, wohnt(e) sie nämlich im nachbarort des atomkraftwerks - was bedeutete, dass ich auf fahrten zu ihr (mal wieder) schreiend und weinend im auto saß.
irgendwann wurde es selbst meinen leiderprobten eltern zu bunt: in einem großen bogen umfuhren sie mit mir das atomkraftwerk mit seinen furchterregenden kühltürmen, nur um
von hinten den am anderen ufer der weser, dem kraftwerk gegenüberliegenden
bückeberg zu erklimmen. nichts böses ahnend überquerten wir mit dem auto den kamm des berges - und plötzlich ragten direkt vor mir besagte türme in die höhe. eiskalt nutzten meine eltern den überraschungsmoment, zerrten ihr plärrendes, tränenübertrömtes kind aus dem wagen und zwangen mich, der angst entgegenzublicken. wäre ein wandersmann des weges gekommen, er hätte sicherlich die polizei zwecks einer kindesentführung oder -misshandlung gerufen.
allerdings muss man meinen lieben eltern zugute halten, dass diese art der schocktherapie recht erfolgreich war, auch wenn ich selbst heute noch ein ungutes gefühl habe, wenn ich einem hohen bauwerk gegenüber stehe (albtraum berlin alexanderplatz oder rheinbrücke zwischen düsseldorf und neuss)
beingboring - 7. Jun, 23:19